Veranstaltungen im I. Quartal 2026

Streifzüge durch Berlin – diesmal: Haus der Kulturen der Welt

04. März 2026 von Marion Schober

Ich muss gestehen, ich war noch nie im Haus der Kulturen der Welt (kurz: HKW). Das ging offensichtlich auch anderen so, denn das Interesse an der Führung war erfreulicherweise sehr groß.
So warteten am 04.03.2026 viele interessierte Seniorinnen und Senioren gespannt auf den Einlass in das HKW. In zwei parallel durchgeführten Führungen erfuhren wir viel Wissenswertes über die Geschichte, Architektur und Bestimmung des Hauses.

Das Haus der Kulturen der Welt wurde 1957 ursprünglich als Kongresshalle eröffnet. Sie wurde als amerikanischer Beitrag zur Internationalen Bauausstellung Berlin erbaut und sollte Ausdruck für Modernität und die Verkörperung westlicher Ideale wie der Redefreiheit sein. Gleichzeitig war das Gebäude von Anfang an auch ein „Propagandabau“, der die Überlegenheit des Westens demonstrieren sollte, was sich auch in der erhöhten Lage des Hauses widerspiegelte.
Auf Grund der eigenwilligen Form erhielt das Gebäude im Volksmund die Bezeichnung „Schwangere Auster“, was durch die Spiegelung des Gebäudes im großen vorgelagerten Wasserbecken (nur in der schönen Jahreszeit befüllt) durchaus verständlich ist.

Der Bau wurde von den Westberlinern sehr positiv angenommen, während unter den Architekten z.T. erbitterte Kontroversen ausgefochten wurden. Der Einsturz des Daches im Jahre 1980 ließ diese unterschiedlichen Auffassungen noch einmal hochkochen.
Nach 5 Jahren Sanierung wurde das Haus 1987 wieder eröffnet und heißt seit 1989 Haus der Kulturen der Welt.

Heute steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Es versteht sich nicht als Museum im eigentlichen Sinn, sondern eher als Ort internationaler Begegnungen, Ausstellungen und des interkulturellen Austauschs. Die angebotenen Veranstaltungen spiegeln diesen Anspruch wider.
So fanden im Jahre 2025 im HKW über 500 Veranstaltungen statt, unter anderem als Festspielort der Berlinale. Es gibt auch viele kostenlose Angebote für Kinder und Kitagruppen. Ebenfalls erfreulich: In Zeiten der Mittelkürzungen für Kultur ist die Finanzierung zumindest erst einmal für 2026 gesichert.

Von der Terrasse, auf der bei sommerlichen Konzerten 3000 Gäste Platz finden und auch gastronomisch versorgt werden, hat man einen sehr schönen Ausblick auf die Innenstadt. Der Blick schweift vom Kanzleramt über Spree, Bundestag, großem Tiergarten mit Carillon bis zur Goldelse. Vom Carillon mit seinen 68 Bronzeglocken ertönt täglich Musik, an Sonn- und
Feiertagen sogar live.

Im Inneren des Gebäudes konnten wir das imposante Auditorium bewundern, das den Namen der südafrikanischen Sängerin und Bürgerrechtlerin Miriam Makeba trägt. Auch alle anderen ca. 50 Räume sind inzwischen Frauen gewidmet, die laut HKW „auf unterschiedliche Weise die Welt ein bisschen besser gemacht haben“. Nur die Bar im Untergeschoss trägt den Namen
eines Mannes, Magnus Hierschfeld, zur Erinnerung daran, dass sein Institut für Sexualwissenschaft bis vor dem 2. Weltkrieg auf diesem Gelände stand.

Für einige war der Besuch des HKW ein schönes, z.T. auch unverhofftes Wiedersehen mit einem Gebäude, das viele Erinnerungen weckte, für andere wiederum die erste Begegnung mit diesem Haus, die vielleicht zu weiteren Besuchen angeregt hat.

Für Veranstaltungsprogramme und Tickets empfehlen wir die Website www.hkw.de. Dort kann man sich auch den monatlich erscheinenden Newsletter bestellen.

Vielen Dank an Frau Wöllert für die Organisation der gelungenen Veranstaltung.